Trommel Tuning

Inhalt:
1. Einleitung/Problem

2. Was ist falsch?

3. Wie kriege ich das hin?

4. Fazit

 

Material:

1. Einleitung/Problem

In letzter Zeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich viele Schlagzeuger gar nicht wirklich mit der Stimmung ihrer Instrumente auseinandersetzen. Vielen ist nicht einmal bewusst, wie wichtig das richtige Tuning ist, um der Trommel den Ton zu entlocken, den man von guten Aufnahmen kennt. Ganz egal, ob es sich dabei um fette Rocktoms, oder filigrane Jazzsnares handelt. Klar, viel kann man mit entsprechender Dämpfung erreichen. Wenn allerdings der vermeintlich gute Sound erst mit mehreren Moongel-Pads, drei Taschentüchern und 6 Meter Gaffa erreicht werden kann, sollte man überlegen, ob man doch nochmal von vorne beginnt und die Grundstimmung der Trommel überprüft. Oftmals spart man sich damit Unmengen an Dämmmaterial, was nebenbei den Vorteil hat, dass die Felle nicht komplett „tot“ gedämpft sind, sondern tatsächlich noch schwingen können.

2. Was ist falsch?

Nach dem Aufbau des Sets im Studio checke ich gerne nochmal selber durch, ob das Drumset schon bereit für die Aufnahme ist, noch bevor ich überhaupt die Mikros in Stellung bringe. Oftmals bemerkt man dann schon das eine oder andere Problem. Möglich wäre:

  1. Die Trommeln klingen zu lange nach.
  2. Die Trommeln klingen zu kurz nach.
  3. Die Toms klingen völlig ungleichmäßig lang aus
  4. Der Ausklang der Trommeln „wabert“ und nervt
  5. Die Toms sind in ungleichmäßig großen Abständen gestimmt
  6. Der Grundton eines Toms bringt den Snareteppich zum Resonieren
  7. Der Grundton der Bassdrum bringt ein Tom zum Mitschwingen

Mit den meisten dieser Probleme werdet ihr auch schonmal zu tun gehabt haben. Live wird in der Regel nicht lang gefackelt und wenn es Probleme gibt, weist der Tonmann euch an, eure Trommeln mit noch mehr Gaffa zu behandeln. Das ist natürlich nicht das Gelbe vom Ei, aber meißtens hat man beim Soundcheck nun auch nicht mehr übermäßig viel Zeit, nochmal schnell sorgfältig sein ganzes Drumset durchzustimmen, zumal mal sich damit unter seinen Bandkollegen auch nicht besonders beliebt macht. Egal also, ob live, oder Studio: Seid vorbereitet und kommt mit einem gestimmten Drumset zum Job. Das spart jede Menge Nerven und verhilft euch zu einem besseren Sound, womit allen geholfen ist.

3. Wie kriege ich das hin?

Gehen wir der Reihe nach durch:

„Die Trommeln klingen zu lange nach“ – Kleinstes Problem. Ob nun Gaffa-Tape, Taschentücher, Dämpfungsringe, oder Moongel-Pads – das Fell soll weniger nachschwingen. Das bewerkstelligt man, indem man es ausbremst. Dabei ist es allerdings keineswegs egal, wie man das hinbekommt, man will das Fell ja auch nicht „tot“-dämpfen. Gaffa und vor allem Taschentücher sind live vielleicht noch ok, wenn man sonst nichts zur Hand hat. Im Studio will man feiner dosieren können. Taschentücher und Gaffa kleben direkt auf dem Fell und bringen es an der Auflagestelle quasi komplett zum Stillstand. Die Trommel klingt leblos. Eleganter sind z.B. Dämpfungsringe, die am Rand des Fells nur lose aufliegen und somit (je nach breite des Rings) subtiler und weit weniger radikal arbeiten. Oftmal kann man aber mit Moongel-Pads noch genauer an das Problem herangehen. Es ist nämlich alles andere als egal, an welcher Stelle das Fell gebremst wird. Spielt mal die Trommel mit einem Stick und probiert, mit einem Finger der anderen Hand seicht über das äußere Drittel des Fells zu streichen (nicht drücken, nur locker auflegen!). Ihr werdet bemerken, dass an jeder Stelle andere Obertöne abgeschwächt werden. Auf diese Weise reichen oftmals schon 1-2 kleine Moongel-Pads (vielleicht sogar halbiert, einfach mit einer Schere durchschneiden), und die Trommel ist unter Kontrolle. Es gilt immer: Je weniger Dämfung nötig, desto besser. Die Trommel bleibt lebendig und kann ihr Potential entfalten.

„Die Trommeln klingen zu kurz nach“ – schon schwieriger. Wenn noch nicht geschehen, wäre dies der Zeitpunkt, Gaffa und ähnliches zu entfernen… Wenn die Trommel immer noch kein Sustain (Ausklang) entwickelt, kann es sein, dass das Fell seine Zeit hinter sich hat. Eindeutige Zeichen sind Dellen im Fell, oder gar kleine Risse oder Löcher. Neues Fell. Vielleicht ist das Fell aber auch zu dick? Es gibt doppellagige Felle (z.B. Remo Emperor), oder welche mit eingebauten Dämpfungsringen (z.B. Remo Pinstripe), die schon ab Werk gedämpft sind. Andere Felle. Probiert einfache einlagige Felle (z.B. Remo Ambassador). Clear für die Toms, Coated für die Snare. Damit ist man am flexibelsten, und spart meistens sogar noch einige Euros im Vergleich zu teureren Spezialfellen. Checkt auch die Stimmung des Resonanzfells. je tiefer dieses gestimmt ist, desto mehr Sustain entwickelt die Trommel. Wenn das auch noch nicht geholfen hat, sollte man mal die Gratungen (Auflagefläche der Felle am Kesselrand) seiner Trommeln checken. Wenn das Fell nicht sauber aufliegt, weil z.B. Macken in der Gratung sind, können sich auch die Schwingungen nicht übertragen und es gibt kein Sustain. Wenn diese Gratungen nicht mehr in Ordnung sind, wird es schwierig, dann sollte sich das ein Fachmann ansehen.

„Die Toms klingen unterschiedlich lang aus“ – Eine Mischung aus Problem 1 und 2. Viel kann hier auch schon das Verhältnis des Stimmungen der Resonanzfelle zu den jeweiligen Schlagfellen ausmachen. Es gilt:

  • Resonanzfell und Schlagfell sind auf einen Ton gestimmt – Der Grundton der Trommel kommt besonders stark durch, sehr durchsetzungsfähig und laut, mittleres Sustain
  • Resonanzfell ist höher als das Schlagfell – sehr knalliger Sound, durchsetzungsfähig, weniger Sustain
  • Resonanzfell ist tiefer als das Schlagfell – sehr fetter Sound, basslastig, längeres Sustain

Unterschiede kann es auch durch die Aufhängung der Toms geben. Gerade bei Standtoms geht meist viel Energie direkt auf den Boden über, ergo weniger Sustain. Gleiches gilt auch bei Hängetoms, bei denen die Haltearme direkt mit dem Holz des Kessels verbunden sind. Anders verhält es sich hingegen bei Tomhalterungen die ein möglichst freies Schwingen ermöglichen, oftmals dann an den Spannschrauben aufgehängt und Gummigepuffert. Hier bleibt viel Sustain erhalten.

„Der Ausklang der Trommel „wabert“ und nervt“ – Das eigentliche Grundproblem. Die Felle stimmen in sich nicht. Trommelfelle erzeugen ein komlexes Obertonspektrum, aus dem es oftmals nicht ganz einfach ist, einen Grundton herauszuhören. Dieses wabern nennt man „Schwebungen“. Diese entstehen, wenn das Fell nicht an allen Stellen gleichmäßig gespannt ist und somit in verschiedenen Zonen verschiedene Töne erzeugt, die sich gegenseitig beißen. Es gilt jetzt, die Spannschrauben immer über Kreuz Stück für Stück weiter anzuziehen, bis an jeder Schraube der gleiche Ton erzeugt wird (Vorher auf jeden Fall wieder alle Dämpfungen entfernen.). Dabei mit dem Stimmschlüssel immer leicht auf das Fell in unmittelbarer Nähe der jeweiligen Spannschrauben klopfen, um den Ton zu überprüfen. Das zu hören erfordert etwas Übung, ist aber alles andere als unmöglich. Ihr werdet sehen, je näher sich die ganzen einzelnen Töne innerhalb der Trommel kommen, desto mehr verschwinden die Schwebungen und es kristallisiert sich ein einzelner Grundton heraus. Das erfordert einiges an Feingefühl, lohnt sich aber. Sobald die Trommel akkurat gestimmt ist, werdet ihr merken, dass ein großer Teil der Dämpfungsmaßnahmen hinfällig wird, weil die Trommel von sich aus schon stimmig klingt und keine oder zumindest deutlich weniger nervige Obertöne herausstechen. Stellt euch vor, eine Gitarre wird nur zu 80% sauber gestimmt… Kein Wunder, dass das Teil nicht klingt!

„Die Toms sind in ungleichmäßig großen Abständen gestimmt“ – letztendlich Geschmackssache. Trotzdem klingen die Toms in der Regel homogener auf einander abgestimmt, wenn die Abstände der Grundtöne der einzelnen Toms zueinander immer gleich ist. Terzen oder Quarten als Abstände haben sich als universal-passig herausgestellt. „Was sind Terzen und Quarten, ich bin doch nur Schlagzeuger?!“ Achja… Stellt euch die Sirene eines Krankenwagens vor, ungefähr so… 😉

„Der Grundton eines Toms bringt den Snareteppich zum resonieren“ – In diesem Fall habt ihr zufällig mit dem Ton den Toms auch den Grundton des Snare Resonansfells getroffen. Meist reicht es jetzt schon, eins von beiden minimal höher oder tiefer zu stimmen, damit entfernen sich die beiden Grundtöne voneinander und bringen sich nicht mehr gegenseitig zum Mitschwingen.

„Der Grundton der Bassdrum bringt ein Tom zum Mitschwingen“ – Gleiches Prinzip wie beim Problem zuvor. Entweder Bassdrum oder Tom leicht verstimmen, dann gibt sich das ganze. Gerade bei Aufnahmen können allzu sehr schwingende Toms den Toningenieur zur Weißglut treiben. Nicht selten kommt es vor, dass Tomschläge einzeln freigeschnitten werden müssen, weil das Gate nicht mit dem Schwingen des Toms klarkommt. Lieber schon vor der Aufnahme checken, dann gibt es hinterher kein Böses Erwachen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.